"Rettet das Nashorn"
"Rettet das Nashorn"

 

Reise November 2013


Ehe wir nach Afrika flogen, hatte sich viel ereignet. Shaya ist im August beim Verfolgen eines Rhinos in eine Felsspalte getreten und hat sich dermassen schwer verletzt, dass Anfang November das linke Vorderbein amputiert werden musste.

Anfangs hiess es, dass er in acht Wochen wieder einsatzbereit sei, aber im Laufe der Zeit stellte sich heraus, dass dem nicht so ist. Als wir den Telefonanruf erhielten, dass vielleicht amputiert werden muss, dachte ich, ich falle vom Glauben ab. Gedanken schwirrten durch meinen Kopf und ließen mich nicht mehr los. "Der arme Hund - Wie sage ich das den Involvierten - was passiert mit Shaya - alles im Eimer - so ein Sch ... - alles umsonst - was tun - wie gehts weiter" etc.

Nun ist es nicht so, dass man mal schnell zum Hörer greift und Kirsty, unsere Ansprechpartnerin in Johannesburg, erreicht. Es zog sich über Tage hin, bis wir kurz vor dem Abflug nun die endgültige Info erhielten. Allerdings wussten wir noch nicht, wie es weiter gehen sollte mit Shaya, als wir in den Flieger stiegen.

Am 20. November stiegen wir dann in unsere geliebte SAA, die es mal wieder ermöglichte, dass wir mit unseren Massen an - von euch gespendeten - Klamotten und Zubehör reibungslos in die Luft kamen.

In Hoedspruit gelandet, wurden wir von zwei Volontären am Flughafen abgeholt, da Craig nach einem nächtlichen Einsatz Schlaf nachholen musste, zudem er schon tags zuvor vergeblich am Airport auf uns gewartet hat. So ist er nun einmal ;-) .

 Wir wurden informiert, dass es seit zwei Monaten endlich wieder Wasser im Camp gibt (ihr erinnert euch daran, warm war es nie...), denn kurz nach unserer Abreise im April hatten Elefanten die Leitungen gekappt. Natürlich gab es wieder kein Geld für die Reparatur, denn das wurde in wichtigere Dinge, den Schutz der Tiere, investiert.

 

 Alle, die mich kennen, werden sich wundern, wie ich das in diesem Camp aushalte:

 In den Kloschüsseln wohnen aktuell Bienen. Dann erzählte uns Craig ganz beiläufig, dass das Wasser eine zeitlang immer eigenartiger roch und schmeckte, bis sie feststellten, dass im Wassertank ein toter Affe lag. Puh ... Egal, es geht hier ja nicht um Ralf und mich, sondern um die Hörnchen, und so hoffte ich, dass in diesen paar Tagen hier vor Ort weder das Wasser ausfällt, noch irgendetwas anderes Gravierendes passiert.

Im übrigen ist Hoedspruit nicht aus der Welt, so dass man jederzeit einkaufen gehen kann, vorausgesetzt, die Zeit lässt es zu und Benzin ist im Tank... ;-)

Für die kommenden zwei Tage war geplant, vier Rhinos mit Funksendern in gefährdeten Gebieten zu versehen. Davon sind drei Bänder durch eure Spenden bezahlt worden!

Diese Sender schicken in regelmässigen Abständen Informationen ans Camp, wo sich das jeweilige Nashorn gerade aufhält. Geht es in einen District, wo es gefährlich werden könnte, gibt es umgehend eine SMS und eMail ab und die Anti-Wilderer-Einheit marschiert direkt los. Zudem wird ein Bewegungsprofil erstellt, um herauszufinden, wo sich die Nashörner bevorzugt aufhalten.

Am nächsten Tag ging es in aller Frühe los. Mit dem Chopper wurden erst die Rhinos aus der Luft gesucht, dann der Tierarzt eingeladen, dann das Rhino gedartet und - solange es noch wach war - in die Nähe der am Boden wartenden Jeeps getrieben, damit das ganze Equipment nicht quer durch den Busch geschleppt werden musste.

Jetzt musste es schnell gehen: Decke auf die Augen, Wasser zum Kühlen in die Nähe, Puls prüfen, Rhino auf die Seite drehen zum Senderanbringen, Chip ins Horn, alle ab Richtung Jeep. Gegenspritze und warten, bis es wieder auf seinen eigenen Füssen steht.

Zwischendurch war eine Riesen-Ansammlung von Lodgebesitzern und möglichen zukünftigen Spendern vor Ort: Eine amerikanische Lady in Highheels, leider genau bei dem Nashorn, das am weitesten weg lag. Wir marschierten im Stechschritt durch sehr unwegsames Gelände, durch Dornenbüsche und am heissesten Tag in diesen drei Wochen zirka einen Kilometer zu dem Hörnchen - und auch wieder zurück. War lustig...

Abends, zurück im Camp, erhielt Craig einen Funkruf, dass irgend etwas am Zaun sei. Stefan, sein Mitarbeiter, und ich sind los, um nachzusehen. Glücklicherweise waren es nur ein paar Büffel, die den Zaun berührt hatten - Pausen gibt es hier nicht.

Nach der Rückkehr zum Camp wollten wir es nun endlich am Feuer gemütlich machen. Dazu kam es allerdings nicht, denn einige Solefugen (große spinnen-/skorpionartige Tiere) sausten ums Feuer herum über den Boden und so entschloss ich mich, dann direkt den Rückzug in unser Hüttchen anzutreten. Dort wohnen wenigstens nur Mäuse, die unsere Socken und Taschentücher durch den Raum transportieren. 

Shaya wartet auf sein Herrchen - und will hier nie wieder weg!

Zwischenzeitlich hatte uns Craig mitgeteilt, dass Shaya zu ihm zurückkommt, was bislang nicht ganz klar war. Es wurde auch überlegt, ihn beim Zoll am Flughafen einzusetzen. Die Entscheidung war schwierig.

Drei Beine: „Kann Hund damit leben, laufen, glücklich sein, arbeiten?“ Alles nur unsere menschlichen Gedanken, unsere Projektionen.

Der Hund gehört Craig, die Entscheidung lag einzig und allein bei ihm.

Craig hatte extra sein Bett für Shaya neu bezogen, für uns hieß es aber Abschied nehmen, denn unsere Reise sollte jetzt in Urlaub übergehen. 

Wir ließen uns in unser erstes Camp bringen und hofften, dass Shaya zurückkommt, ehe wir weiter in den Süden reisten, damit wir ihm nochmals "Hallo" sagen können.

Und genau so kam es: auf unserem Weg zum nächsten Camp fuhren wir zurück in den Norden nach Balule, um Shaya zu sehen.

Die erste Suche nach dem Klinikaufenthalt - natürlich erfolgreich!

Es war eine tränenreiche Begrüßung. Nach Übergabe von überlebenswichtigen Utensilien, wie Hundefutter, Rum und Zigaretten für Craig (natürlich haben wir das selber bezahlt, keine Sorge, geht nicht vom kostbaren Nashorngeld ab), nahmen wir wieder Abschied und versprachen weitere Unterstützung. 

Das Balule- Team macht einen richtig guten Job! 

Wenns mal überall so wäre...  

Nun wurden wir in unser nächstes Camp, weiter im Süden, gebracht. Längst aus dem Zuständigkeitsbereich von Craig und als Lodgegäste auf einer anderen Seite des Würfels, nämlich dem des Touris. Es hätte ein schöner Urlaub werden können, mit endlosen Safarifahrten, tollen Tieren, tollen Gesprächen mit den Guides und warmem Wasser.

Es hätte ... würden wir glauben, was uns erzählt wird, würden wir Augen und Ohren schließen und wären wir nicht sensibilisiert auf das Leben im Busch.

Nashörner vor die Kamera zu bekommen ist nicht mehr so kinderleicht wie noch vor ein paar Jahren, als man in den Jeep stieg und drei Meter fuhr, bis das erste zu sehen war.

 

Wir suchten und fanden erst einmal nichts. Gegen Ende unseres Vormittags-Gamedrives (Safaritour) sahen wir dann endlich ein Rhinobaby vor uns stehen. Die anfängliche Begeisterung legte sich allerdings umgehend, denn dahinter war nicht die schlafende, sondern die tote Mutter.

Unser Guide wollte uns anfänglich erzählen, dass sie eines natürlichen Todes gestorben ist, nachdem wir das Loch an ihrem Körper erwähnten, sollte es ein rivalisierendes Rhino gewesen sein und als wir weiterhin keine Ruhe gaben, gab er auf und sagte uns die Wahrheit, die wir schon längst wussten.

Es war tragisch, entsetzlich, unfassbar. 

Ich bat unseren Guide, den wir in den letzten Jahren näher kennen gelernt hatten, darum, dabei sein zu dürfen, wenn das Baby durch das Waisenhaus abgeholt wird.

Wir warteten auf den Wildhüter und seine Mannen und fuhren dann zu unserer Lodge, um dem Tierarzt und dem Transporter fürs Baby entgegen zu fahren, damit sie den Weg fänden. Nach gut drei Stunden waren wir an der Unglücksstelle zurück. Dort fanden wir zwei Männer von der Anti-Wilderer-Einheit vor, aber kein Nashornbaby. Dieses sei, so sagten sie, vor gut einer Stunde losmarschiert.

Booooh, was für “mamparas” ... Wäre das bei Craig passiert, dann würden die Jungs heute noch laufen - bis nach Timbuktu.

Unser Fährtenleser und die beiden Männer suchten stundenlang nach dem Kleinen. Es war verschwunden.

 Parallel machte sich der Tierarzt dran, das Horn der Mutter zu entfernen und diverse Untersuchungen vorzunehmen.

Und noch paralleler bekam unser Guide einen "Maulkorb" von einem der zig Mitzuständigen für mich verpasst, denn ich war ja schon am Posten und das sollte doch möglichst alles unter den Teppich gekehrt werden.

Nichts für schwache Nerven ...
Bitte auf "Start" drücken - kein Autostart ...

Der Tag war für uns gelaufen, nun noch lustig auf "Heia Safari" machen? Nein, das war nicht möglich und so wollten wir uns auf den Nachhauseweg begeben. Allerdings fand unweit von uns ein Feuergefecht statt, so dass wir einen großen Umweg fahren mussten, um nicht darin zu landen. Auch hier wollte unser Guide uns erst weismachen, dass es sich um Schiessübungen für die Ranger handelt, aber wir verstehen ein paar Worte Shangaan (so kommunizieren Guide und Fährtenleser), was er nicht wusste und so wurde er "überführt". Jaja, ... und Zitronenfalter falten Zitronen.


 Wir erfuhren durch den Maulkorb, dass ein Wilderer gefasst wurde, mehr sickerte nicht durch. Auch die Nummer und Mailadresse von dem dort zuständigen Warden gab man mir nicht. Eine Lodge später erhielt ich sie dann ohne Probleme und nun werden wir in Kürze mit ihm Kontakt aufnehmen. Geht doch ;-).


Solche Touris wie wir sind nicht gerne gesehen, denn sie klären auf und können so ein Safari Erlebnis natürlich auch verleiden. Die Lodges leben vom Tourismus. Wichtig ist doch zu wissen, dass das Ganze nicht ungefährlich ist, aber, dass man auch jede Menge Spaß haben kann. Allerdings sollte man sich überlegen, hinter welchem Baum man für einen kurzen Toiletten-Stopp verschwindet, denn es gibt an vielen Stellen Camera-Traps ;-).  

Im Greater Kruger herrscht noch viel Chaos. Sehr viele Redeführer, wenig Einigkeit und vor allem leider auch teilweise wenig Interesse, denn das kostet Geld. Die Kontrollen sind erbärmlich.


Aber was soll’s. Anprangern und Ratschläge geben ist ja soooo leicht. Wir helfen dort, wo wir um Hilfe gebeten werden und können nur hoffen und beten, dass sich bald etwas tut.


Der Warden, den wir jetzt kontaktierten, ist sehr interessiert an einem Hund für die Gates.  

Shaya und Craig sind ein großes Vorbild und einige werden sicher nachziehen.


 Eure Perdita

 

25.11.2013


Eure gespendeten Klamotten sind heil in Balule angekommen. Danke, danke, danke …

Jeder "Klick" hilft!

Bitte helft uns, dieses bemerkenswerte Projekt weiter bekannt zu machen.

Weitere Informationen, aktuelle Fotos, Beiträge unserer vielen Unterstützer sowie der in Südafrika vor Ort ansässigen Beteiligten findet ihr in der facebook-Gruppe "Rettet das Nashorn" !

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Inge Wanken